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Das Chaos im Libanon überleben


Wie überlebt man das Chaos im Libanon, wenn man ein charmantes kleines Hotel oberhalb von Beirut betreibt? In einem Libanon mit Zahlungeinstellung, einem Libanon mit zügelloser Inflation? Ein Libanon, in dem Menschen ganz einfach hungrig sind? Wie geht das, wenn die Flugzeuge nicht mehr fliegen? Wenn die Banken zu Aufruhrszenen werden? Wenn das Coronavirus trotz der weltweiten Aufmerksamkeit fast zum Detail wird? Die Leute haben Hunger. Sie sind verwirrt. Ja, wie macht man das?




Es ist Soad's Zeugnis zwischen Sorge und Lächeln, das uns hier in seiner ganzen Authentizität berührt. Sie leitet das Hotel Quartier Suisse in Broummanna in der Nähe der Hauptstadt und spricht aufrichtig über ihren Alltag mit uns.




Das Chaos im Libanon überleben

Seit dem 17. Oktober 2019, dem Datum, an dem Menschen auf die Straße gingen, um gegen die hohen Lebenshaltungskosten zu protestieren, versucht Soad mutig aber mit Wehmut den Kopf über Wasser zu halten. Das Quartier Suisse Hotel ist leer.


Das Hotel ist leer, weil die Libanesen es sich offensichtlich nicht mehr leisten können, ins Hotel zu kommen. Weil Ausländer trotz der legendären Schönheit und Wärme der Libanesen derzeit vermeiden, in ein Land zu kommen, das instabil geworden ist, auch wenn es einst fast einmal ein Paradies auf Erden war.


Wir können es kaum erwarten, Lösungen zu finden, denn was hier im Moment passiert, ist nicht das wirkliche Leben, und dieses Land verdient so viel mehr, sagt Soad mit einem Seufzer. Denken Sie an seine Gabe der Gastfreundschaft, die im Moment nicht mehr praktiziert werden kann. Hatte sie doch so viel Freude, ihre herbeiströmenden Gäste zu begrüßen.




Alptraumsituation im Libanon

Es ist ganz klar, sagte Soad, in einem genervten Ton, dass wir uns jetzt in einer sehr schrecklichen Situation befinden, und ich weiß nicht, wie das alles gelöst werden kann.


Die Gehälter werden in libanesischen Pfund bezahlt, während sie bis dahin in Dollar bezahlt wurden. Und die Preise haben den Lift genommen! Plötzlich verloren die Menschen drei Viertel ihrer Kaufkraft. Sie können nicht einmal mehr einen Salat kaufen! Überall entstehen wilde Gemüsegärten, um ganz einfach essbares zu pflanzen.



Die Leute pflanzen Gemüse, um zu überleben, soweit sind wir nun, sagt Soad mit etwas Bitterkeit. Sogar die hübschen Balkonblumen wurden durch Gemüse und Salatpflanzen ersetzt!


Klar, dass in einer Situation wie dieser Touristen natürlich im Moment nicht mehr kommen werden, das ist wohl offensichtlich!



Friedliche Proteste auf der Suche nach Wohlstand und Freiheit.

Die Menschen demonstrieren für ihre Rechte, sie sind friedlich. Die Menge ist respektvoll, aber besorgt. Die Menschen wollen nur, dass sich etwas ändert, um in Freiheit und Wohlstand zu leben!


Soad betont, dass sie sich nicht in der Politik engagiert, sie will sich nicht einmischen. Sie erkennt jedoch, dass sich die Menschen generell wünschen, dass die vorhandenen Versprechen und die verkörperten Werte, eingehalten und respektiert werden mit einer echten Transparenz.



Diese Demonstrationen sind die Erkenntnis, dass die Libanesen am Rande des Abgrunds stehen und dass es notwendig sein wird, eine Lösung zu finden, um daraus herauszukommen. In Soad's Stimme fühlt man ihren Mut und eine Form von liebenswertem Fatalismus. Da sie nichts kontrollieren kann, weder für die Anreise ihrer Kunden noch für eine Entschädigung ihrer Finanzen, wendet sie sich auf sehr verankerte Weise dem Himmel zu. Wir fühlen bei Soad, deren Entschlossenheit eine merkwürdige Kehrseite ihres Fatalismus ist, einen echten Wunsch, vorwärts zu kommen. Gemeinsam Lösungen für ihr Land zu finden.


Ein positiver Geisteszustand, der auch den Herzen der meisten Landsleute entspricht, diese Einheit. Es erwärmt Herz und Seele und Soad hat Tränen in der Stimme, wenn sie darüber spricht.



Libanon neu starten?

Wie startet man den Libanon neu? Soad stellt die Frage laut. Sie hat keine Antwort. Sie weiß, dass Menschen, die demonstrieren, die Regierung ändern wollen.


Nein, die Libanesen, die im Grunde heitere Seelen sind, sehnen sich ganz einfach nach einem Neustart ihrer Welt.


Wie viele Libanesen hat sie Fragen. Warum werden Löhne plötzlich in libanesischen Pfund bezahlt? Warum stieg der Preis des Dollars gegenüber dem Pfund? Warum kam dieser Coronavirus dazu, zu einem Volk, das diesen zusätzlichen Schlag wirklich nicht brauchte ?




Ja, das Coronavirus auch!

Das Coronavirus ist das Tüpfelchen auf dem "i"! Soad glaubt, dass die derzeitige Regierung, obwohl noch sehr neu und frisch, diese Aspekte der Krise im Land jedoch ziemlich gut bewältigt hat.


Sie äussert sich nicht mehr dazu. Politik ist nicht ihr Ding! Sie verwaltet ein kleines romantisches und freundliches Hotel, das Quartier Suisse Hotel. Und sie hofft, ihre Kunden bald wieder in diesem Hotel, das ein bisschen wie ihr Baby ist, begrüssen zu dürfen, … Genauso wie sie hofft, dass die Touristen bald wieder im gesamten Libanon zurückkehren werden!



Ein Hoffnungsschimmer trotz der Schwierigkeiten

Es ist wahr, dass es in den Banken Schlägereien gab, als die Leute in Panik gerieten und merkten, dass sie ihr Geld nicht mehr von ihrem Bankkonto abheben konnten. Wenn Sie plötzlich keinen Cent mehr abheben können, ist man sehr schnell überfordert mit der Situation!


Es ist auch wahr, dass die Menschen hungrig sind, dass einige, die gestern noch zur Mittelklasse angehörten, jetzt plötzlich darauf reduziert sind, betteln zu müssen und im Müll nach Nahrung suchen.


Das alles ist wahr. Soad lächelt jedoch und mit einer berührten Stimme fährt sie fort.


Die Schwierigkeiten, mit denen wir konfrontiert sind, vereinen das Land in Widrigkeiten. Die Menschen werden entlassen, die Arbeitslosigkeit explodiert und doch sind wir alle solidarisch miteinander. Es gibt keine religiösen Reibereien, alle sind sich einig, in die gleiche Richtung zu gehen. Und das ist wirklich schön.



Bevor Soad auflegt, sieht sie sich in der Lobby des Quartier Suisse Hotels um, in der sie so viel von ihrer Seele gesteckt hat. Und sie träumt von besseren Tagen. Für dieses Hotel. Für ihre Landsleute. Und für den Libanon die Perle des Ostens.


Danke Soad für diese Worte, die so voller Herzen sind!


par Christine Camporini

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